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Interwiev von Marita Loosen
und Kati Hötger
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für arte Beitrag vom 28.02.20054
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Interview mit Martin Liebscher
24.09.2003
Tape 1
F: Nach welchen Kriterien suchst Du die Orte für die Familienbilder aus?
A: Es passiert mir, daß ich einen Ort sehe, der im Kopf hängen bleibt
und dann...Es gibt so Orte, die ich finde, wo dann einfach der Gedanke kommt, daß
ich ein Bild drin mache. Zum Beispiel bei diesem "Termingeschäft",
das war einfach so ein Ort, da bin ich rein gekommen und dachte, whau, das mußt
du mal photographieren und das funktioniert dann meistens auch.
F. Gibt’s da auch inhaltliche Kriterien, nach denen du vorgehst?
A: Na gut, es geht natürlich um Orte, wo solche Szenarien passieren, ob das
jetzt eine Kneipe ist oder eine Bühne mit einer Rockband oder ob es die deutsche
Börse ist. Das sind einfach Orte, wo menschliche Interaktion passiert, die dann
auch in meinen Bildern entsprechend passiert. Es kann aber auch in einer Wüste
sein, die dann auf einmal gefüllt ist. Diese Bilder sind ja keine Kopie des
Lebens, sondern sind ja eigentlich Bilder, wie ein Gemälde ein Bild ist und
nicht eine Kopie von einer Realität.
F: (Wiederholung, Lichtprobleme) Nach welchen Kriterien suchst du deine Orte aus?
A: Also ich finde solche Orte, das muß jetzt kein sensationell toller Ort sein,
sondern es kann auch ein komisches Büro sein, wie in diesem "Termingeschäft",
ein Ort, wo die verschiedensten Generationen von Kommunikationsgeräten herum
stehen, vom Fax über Ticker bis zu Computertelefon. Das war dann so ein Ort,
wo ich dachte, das ist so seltsam, das interessiert mich.
Es geht schon um Orte, wo eine menschliche Interaktion passiert, eine Kneipe, die
Börse oder Bahnhof, kann natürlich auch eine Wüste sein, die gefüllt
wird. Was dann auch eine Absurdität kriegt, weil die Räume derartig gefüllt
sind, wie die nie gefüllt sind, zumindest in den letzten Bildern, also die neuen
Arbeiten werden immer voller, das ist jetzt so langsam an einem Punkt, wo man eigentlich
wieder zurückgehen muß, wo es eigentlich nicht mehr voller werden kann
mit Liebschers. Es ist natürlich keine Kopie einer Realität, wie eine Gemälde
auch keine Kopie ist von einer Realität sondern ein Bild. Und dieses Bild spiegelt
die Realität oder ist drauf basiert auf einer photographischen Abbildung, die
aber immer eine Abbildung ist, es ist immer ein Bild nicht die Realität.
Was so langsam auch selbstverständlich ist, dass man der Photographie nicht
mehr glaubt und dadurch ist sie befreit von diesem Abbild, man kann die einfach wie
eine Malerei benutzen.
Die Räume, die ich da zusammenbaue als Architektur sind ja auch gesampelte Räume,
das ist ja nicht eine 1 zu 1 Abbildung von einem Panorama eines Raumes, sondern es
sind ganz verschiedene Kamerapositionen, die zusammengesetzt werden und sich irgendwie
verzahnen lassen, mehr oder weniger mit entsprechenden Tricks. Diese Räume werden
auch genauso wie diese Figuren zusammengesetzt zu einem ganz neuen, anderen Raum.
Es gibt zum Beispiel dieses Familienbild, Galaxie 500, was eine der wenigen Außenaufnahmen
ist. An diesem Tag hat's geregnet, die Sonne hat geschienen, es wurde dunkel und
in diesem Bild ist so ein halber Tag drin, vom Licht her, hinten geht die Sonne schon
unter, teilweise Sonnenflecken, teilweise regnet es.
F: Was war die Idee bei dem Börsenbild?
A: Auf die Börse bin ich gekommen, weil ich eigentlich auch schon immer fasziniert
war von dieser Sache, also weniger von der Frankfurter Börse als von der Chicagoer
Börse, Board of Trade, wo wirklich noch was passiert. Diese Frankf. B. ist ja
inzwischen relativ leer. Man kommt da rein und es entspricht eigentlich gar nicht
mehr dieser Vorstellung, die man von Börse hat, die gefüllt ist, wo die
Leute rumschreien und rumwuseln...sondern es ist alles relativ cool. Und das wird
auch irgendwann demnächst sterben, dieses ganze Parkett, weil sich alles auf
den elektronischen Handel verlagert.
Auf diesen Ort bin ich gekommen, ich war dort auch mal als Besucher, und hab ein
paar Panoramaaufnahmen gemacht, weil mich dieser Raum interessierte, mit diesen Menschen
darin und diesen relativ große hohe Architektur.
Ich geh auch nicht so ran, dass ich mir vorher ein Konzept überlege zum Photographieren.
Das geht relativ spontan, ich hab diesen Ort im Kopf und mach dann und stell dann
die Kamera auf mit Selbstauslöser und fang an zu agieren und während dieses
immer zur Kamera hin und herlaufen und auf den Auslöser drücken, kommt
man in eine grössere Körperlichkeit rein und dann wird auch dieses Posen
nicht so einem Schauspiel oder Posen, sondern bleibt in so einer Bewegung drin. Deshalb
sind auch viele Bewegungsunschärfen darin, es ist nie so, daß ich wirklich
verharre in einer Geste. Was mir wichtig ist, ist auch, dass eine relative Spontanität
da drin bleibt, dass es irgendwo eine Lebendigkeit hat. Ich überleg mir nicht
vorher ein Bild und eine Geste, sondern es hat viel damit zu tun, wie ich mich bewege.
Diese Bilder sind letztlich eine Bewegung von einer Person im Raum in einer bestimmten
Zeit. In der Börse relativ lang, sechs Stunden. Letztlich könnte man es
auch so sehen, dass man einen Raum hat, in dem man sich bewegt und dieses Photo nicht
macht in einer 125stel Sekunde, sondern einfach eine Langzeitbelichtung mit verschiedenen
Augenblicken, die dann da auftauchen. Da ist durchaus auch ein Zeitablauf in diesem
Bild.
F: Ist es wie eine Dehnung von Zeit?
A: Dehnung von Zeit würde ich nicht sagen, sondern es ist Zusammenfügen
von einzelnen Momenten innerhalb dieses Zeitkontinuums.
F: Besteht darin der Unterschied zur klassischen Photographie mit dem Ziel einen
bestimmten Augenblick besonders gut zu treffen.
A: Ich würde die klassische Photographie auch als ein Bild sehen und nicht als
einen Augenblick. Diese Definition, dass es ein 125stel ist, das ist ja auch eine
Zeitspanne, die zwar klein ist, die aber einfach aus dem Filmmaterial resultiert.
Man kann natürlich auch Langzeitaufnahmen machen, die eine andere Zeitspanne
als diese 125stel haben, aber es ist nie, das ist nie das kleinste Teil von einer
Zeit, das ist immer noch ein Augenblick. Ich seh das auch so, dass in der klassischen
Photographie ein Bild hergestellt wird, was einfach als Bild da ist und nicht einfach
als Realitätsabbildung, dass es einen Ausschnitt gibt, der ein bestimmter Zeitmoment
ist.
F: Trotzdem gehst du spielerischer mit der Realität um...
A: Ich benutze einfach die Wirklichkeit um eine andere Bildrealität zu bauen,
was über das klassische 3 x 4 Format einer Kleinbildkamera hinaus geht. Die
einzelnen Elemente in meinen Bildern sind ja auch diese kleinbildformatigen Aufnahmen,
die aber vielleicht 10 Prozent Fläche von diesem Bild ausmachen. Diese Bilder
werden aus diesen einzelnen Photoelementen zusammengesetzt.
F: Dir geht es um die Montage von Augenblicken?
A: Es geht schon darum, diese Bilder zu benutzen, wie eine Farbtube zu benutzen oder
wie ein Werkzeug zu benutzen, um damit wieder ein Überbild zusammenzusetzen,
herzustellen, zu bauen.
F: Du malst mit Deiner Kamera?
A: Ja, ich würde sagen ich male mit meiner Kamera. Es hat auf jeden Fall sehr
viel mit einer Art von Malerei zu tun. Letztendlich ist die Verarbeitung im Computer
mit einem Zeichenstift schon eine sehr direkte Umsetzung, direkter als mit einer
Maus, ähnlich direkt wie eine Zeichnung anfertigen auf Papier mit einem Stift.
A: (Wdhlg.) Ich würde sagen, ich benutze die Fotografie wie eine Malerei. Das
heißt, ich benutze die Photos wie ein Maler Farben oder Realitätsabbildungen
benutzt.
F: Was ist das Ähnliche, was ist der Unterschied?
A: Der Unterschied ist klarer als das Ähnliche. Der Unterschied ist, das es
eine technische Reproduktion ist, erstmal, also die Photographie gegenüber der
Malerei. Die Gemeinsamkeiten sind eher das Seltsame dabei, dass ich eine Photographie
wie eine Malerei aufbauen kann. Das passiert ja inzwischen in jeder Zeitschrift.
Es gibt fast kein Bild mehr, was sich nicht durch einen Computer gegangen ist und
verbessert wurde. (.........) Der Hintergrund ist ganz woanders aufgenommen als (......
)Es gibt Spezialisten, die nur für Schatten und Reflexe zuständig sind
(....) ein Bild in einer Photozeitschrift ist zusammengesetzt aus 10 - 20 verschiedenen
Einzelbildern, das ist auch schon gesampelt.
F: Bist du eher Maler oder Photograph?
A: Ich würde mich nicht als Photograph bezeichnen, sondern einfach als Künstler.
Ne Definition durch das Material was man benutzt ist eigentlich inzwischen obsolet.
Man kann immer durch die verschiedenen Materialien durchgehen. So eine Unterscheidung
zwischen einem Maler und einem Photographen interessiert mich auf jeden Fall nicht.
Weil diese Photographie eigentlich nur das Material ist und die Grundlage für
das Bild. Letztendlich kommt ein Bild raus, was ähnlich mit der Realität
umgeht wie in der Malerei, die Basis ist natürlich der Raum und das Photo. Das
Bild selber ist nur ein Bild von einem Raum und ein Bild von Bewegung und Zeit, aber
nicht ein Abbild.
Ich hab in meinem Leben eigentlich nur zwei Bilder gemalt. Ich würde mich aber
trotzdem eher als Maler sehen denn als Photograph, weil für mich die Photographie
nur die Grundlage ist, nur die Basis nur das Material aus denen ich dann ein Bild
schaffe, das relativ weit von der Realität wieder weg ist, ein Bild schaffe,
was mit Realität spielt und erstmal etwas vorgibt. Auf den ersten Blick sehen
die Bilder aus, als ob das einfach nur ein Photo wär von diesem Raum. Man muß
ein bißchen näher gucken um zu sehen, dass dieser Raum eigentlich so nicht
existieren kann. Es tauchen teilweise die gleichen Türen auf, einmal in der
Totalen, einmal in close up.
Teilweise kann man das auch als Betrachter zurück vollziehen, was da passiert
ist mit dem Raum. Teilweise gibt es Ecken in dem Raum, die tauchen in der Nahsicht
auf und an einer anderen Stelle wieder in der Fernsicht. Das heißt, ich verwende
einfach verschiedene Kamerapositionen, die ich dann zusammensetze. Das können
auch zwei verschiedene Räume sein, die zu einem werden.
F: Auf den ersten Blick wirken Deine Bilder dokumentarisch...
A: Ich will natürlich erstmal ein Bild machen, was realistisch aussieht. Das
auf den ersten Blick wie ein normales Photo aussieht von einer Menschengruppe. Dadurch
funktionieren die Bilder auch, jedenfalls für mich, dass die auf der einen Seite,
dieses Bild erfüllen, dass sie ein Photo sind von Realität, als Bild, als
eine klassische Photosichtweise eines Dokumentarphotos. Auf der anderen Seite wird
es einfach gebrochen, dadurch, dass dieses Bild absurd wird, dass auf einmal dreihundert
Mal die gleiche Person auftaucht, die sich gegenseitig erschießen, miteinander
reden oder irgendwelche Sachen machen.
Mich interessieren Bilder, wie zum Beispiel ein Auto Bild ist für den Status
oder für den Menschen, der es besitzt. Wahrscheinlich hab ich deshalb auch dieses
Auto aus Amerika mitgebracht, weil mich dieses Bild interessiert. Also da ist ein
Bruch drin zwischen dem, was es eigentlich vorgibt zu sein und dem was es eigentlich
ist. Man kriegt für den gleichen Preis von einem gebrauchten Golf, kriegt man
auch einen Porsche, oder ein amerikanisches Auto.
F: Was interessiert Dich an dem Bild der Börse?
A: Natürlich ist dieses Bild von Börse ein sehr starkes Bild von Kapitalismus,
Geldumschlag von Verlust, Gewinn, von diesem ganzen Wirtschaftsdrama was da passiert.
Wenn man etwas suchen würde, was das symbolisiert, die Wirtschaft, dann ist
es einfach das Parkett, obwohl dieses Symbol so nicht mehr stimmt, sondern die Sachen
laufen eigentlich woanders. Aber als Bild, als Symbol stimmt die Börse für
mich absolut mit einer Wirtschaft überein.
Die Börse als Symbol, bleibt in meiner Arbeit auch dieses Symbol, nur ich benutze
dieses Symbol um das zu füllen mit Liebschers oder mit dieser absurden Gruppe
von Leuten, die sich in so einer ausgeweiteten Intrige miteinander selber beschäftigen.
F: Und es stört Dich nicht, das du das bist?
A: Es gibt durchaus einen Grund, warum ich das bin. Ich hab die ganze Sache auch
mit anderen Leuten probiert und das funktioniert nicht, das funktioniert nicht, weil
das in dem Moment eine Schauspielerei wird. Wenn ich andere Leute benutze, um diese
Bilder zu machen, ist einfach so eine Distanz da, dass es irgendwie ein Theater wird.
Ich muß denen dann sagen so und so, da fehlt mir einfach so eine Natürlichkeit.
Von daher geht’s mir eigentlich nicht um eine Eitelkeit, mich selber zu benutzen.
Sondern ich benutze mich einfach auch als Ausgangsmaterial für diese Bilder.
F: Der Künstler als Material...
A: Natürlich kann man bei den Bildern diese ganze Selbstporträt-Geschichte
nicht vergessen. Das hängt natürlich alles mit drin oder es gibt natürlich
auch Zitate in den einzelnen Bilder, zu Dürer oder was auch immer an diesem
ganzen Wust an Kunsthistorie mit dranhängt.
Es gibt dieses Porträt von Dürer, wo er so dasitzt. Das taucht in dem längsten
Gruppenphoto der Welt auf.
Ich finde zum Beispiel Cranach sehr interessant, weil Cranach, immer dieselbe Frauenfigur
ist. Das war das gleiche Modell und die wurde einfach gemalt, mehrmals auf einem
Bild. Das passieren eigentlich schon diese Sachen, die bei mir auch passieren, die
dann auf einmal anfangen, völlig überzuboarden.
F: Was reizt dich daran, dass da eine Person viele male auftritt?
A: Reizen, interessieren tut mich dabei dieser Prozess aus einer photographischen
Realität wieder eine neue Realität zu bauen, aus diesen Bildern neue Bilder
zu bauen. Mich interessiert auch die Architektur, die gesampelt wird, also den Raum
neu zusammenzusetzen und neu zu gestalten. Dann interessiert mich natürlich
diese Absurdität, diesen Raum zu füllen mit hunderten gleichen Leuten.
Das ist einfach etwas anderes, als wenn man den Raum tatsächlich füllen
würde mit hundert Leuten, die meinetwegen alle nackt sind, aber es ist trotzdem
nochmal eine ganz andere Geschichte, weil das viel mehr auf eine Bildebene geht.
Das es tatsächlich für den Betrachter klar ist, dass es ein Bild ist und
kein Photo, auch wenn es wie ein Photo aussieht und letztendlich wie ein Photo aussieht,
was an der Wand hängt, aber es ist eigentlich kein Photo.
F: Ist ein Mittel, dem dokumentarischen Charakter von Photographie zu entfliehen,
sich davon zu entfernen.
A: Mich interessiert eine klassische Photographie eigentlich überhaupt nicht.
Das einzige was ich mache sind Urlaubsphoto. Bei einer klassischen Ph. ist bestenfalls,
in dem Moment, wo auf den Auslöser gedrückt wird, das Photo fertig. Vorher
wird alles arrangiert.
Tape 2
F: (Wdhlg.) Was reizt Dich daran, dieselbe Gestalt 500 mal ins selbe Bild zu
bringen?
A: Diese Frage nach dem Warum finde ich immer sehr problematisch, weil die Stelle
ich mir natürlich selber durchaus und frag mich warum machst du das, warum gehst
du in einen bestimmten Ort.....und die kann ich mir eigentlich nicht beantworten.
F: Dieses Mittel der Vielfachdarstellung, es wirkt auf Menschen, es irritiert, hat
auch etwas mit Schrecken zu tun. Sicherlich bist Du Dir über diese Wirkung im
Klaren.
A: Natürlich weiß ich, was ich da mache und hab bestimmte Vorstellungen,
wie so etwas wirkt und auch auf mich wirkt, nur kann man das letztendlich nie voraussagen,
was andere darin sehen, das ist ja auch das Schöne in der Kunst, das Interessante,
indem man Bilder produziert, in denen jemand anderes etwas komplett anderes sieht.
Mit den Panoramabildern geht es mir extrem so, daß ich die natürlich überhaupt
nicht von mir bearbeitet sind, sondern so von mir in der Kamera entstehen. Da ist
es eigentlich. Bei den Panorambildern ist es so, daß ich da oft gerne drauf
gucke und immer neue Sache entdecke oder nach Jahren, wenn ich mein Material gehe
auf einmal auf ganz andere Bilder stoße als vor fünf Jahren. Anscheinend
interessiert mich dann auch wieder was ganz anderes als vorher. Nur, was mich dabei
interessiert, würde ich gerne benennen können, nur kann ich das aber nicht.
Ich weiß auch nicht genau, was ich in diesen Bildern suche, sondern die springen
einen an oder manchmal ist es auch falsch. Manchmal, nachdem man die ganze Produktion
gemacht hat, nachdem dieses Bild an der Wand hängt, merkt man, das dieses Bild
dann doch nicht so funktioniert, sondern dass da irgend etwas anderes war, was einen
gestört hat und das dann produziert hat.
F: Es gibt so einer Art uniforme Anonymität (Auflösung von Identitäten)
in den Familienbilder. Zeigen sie für Dich eher eine Art Schreckensvision und
oder eher eine positive Vision von Vielfalt?
A: Als ich würde eher diesen Schrecken, dieses Entsetzten in den Bildern sehen.
Auch das Groteske darin. Die sind natürlich teilweise durchaus - amüsant
oder lustig würde ich nicht sagen - Es gibt ja dieses Effekt, wenn man sich
sehr erschreckt oder großes Entsetzen hat, dass man anfängt zu lachen.
So eine Geschichte ist da zumindest für mich drin. Was ein Betrachter darin
sieht, ist noch eine ganz andere Sache. Es gibt ja diesen seltsamen Effekt, daß
Leute andere Leute in meinen Bildern erkennen. "Der sieht doch aus wie der Ulli"
oder wie irgendein Bekannter......
F: Das hat auch was von Till Eulenspiegel, der gerne mal "Buh" macht. Wo
man nicht weiss, soll man sich erschrecken oder lachen, das löst ganz viel,
öffnet Räume, wenn so etwas entsteht, Schrecken, der mit Lachen verbunden
ist.
A: Ich finde, zumindest in den Familienbildern ist die Ironie sehr wichtig. Also
das irgendwo sich wieder was umdreht, daß es mehrere Böden und Etagen
in diesen Bildern gibt. Da passieren halt schreckliche Sachen, da werden Leute erstochen,
erschossen, liegen rum, tot, werden aufgebohrt oder was auch immer, da gibt’s durchaus
auch sehr schreckliche Momente, wie bei H. Bosch zum Beispiel, da gibt’s ja diesen
Schrecken auch, da gibt’s aber auch das Lustige, das Absurde, Groteske.
In diesen Bildern ist ja auch eine Freude drin, meine Freude am Bildschaffen und
an dem...
Es ist schrecklich, eine Welt, die voller Liebschers ist, das ist eine völlig
furchtbare Vorstellung natürlich. Dieses Bild ist ein schreckliches Bild. Wenn
die Welt bevölkert ist mit komplett gleich aussehenden Leuten, die alle den
gleichen Charakter haben, das gleiche denken, das ist eine ganz furchtbare Vorstellung.
Das ist ein Grundthema in diesem Bild, was diese Leute dann machen und wie sehr man
sich ins Detail begeben kann und Detail betrachten kann , ist dann nochmal eine andere
Geschichte.
F: (Wiederholung) Welche Rolle spielt der Schrecken in Deinen Bildern?
A: Der Schrecken spielt eine große Rolle in meinen Bildern. Das ist natürlich
eine sehr schreckliche Vorstellung, dieses Bild, was da gezeichnet ist, eine Welt
voller Liebschers, eine Welt voll den gleichen Personen, eine Welt voll mit den gleichen
Personen, hundertfach tausendfach.......die sich nicht mehr unterscheiden, das ist
die Übermasse. In dieser Masse findet man keine Individualität, weil alle
Individuen gleich sein. Auf der anderen Seite macht jeder irgend etwas anderes und
beschäftigt sich mit irgend etwas anderem.
Ich würd gar nicht mal in diese Frage reingehen, ob das alles Individuen sind
oder nicht. Es ist ja ein Bild, es ist ja nicht die Realität. Dieses Bild hat
auf der einen Seite diesen Schrecken der unendlichen Masse von gleichen Leuten, auf
der anderen Seiten auch jede Facette von mir. Es ist natürlich auch ein Abbild
von mir, von meinen Bewegungen, meine Gedanken, wie so Menschen interagieren.
F. Es kommt auch viel von deiner Körperlichkeit rüber in den Bildern.....
A: Ja. In dem Moment, als ich das probiert habe mit anderen Leuten, passiert es auf
einmal, daß es ein sehr statisches Bild gibt, weil man natürlich die Situation
hat von einer Kamera und dem Beobachtet werden. Und deswegen mach ich das auch immer
alleine, ich hab eine Kamera auf dem Stativ, lauf zu dieser Kamera, lauf zum Bild,
zum Selbstauslöser, lauf wieder zurück und komm dann auch selber auch in
so einen Fluß rein, in so einen körperlichen, in so ein körperliches
Agieren. Es dauert dann irgendwie ne gewisse Zeit, bis das wirklich groovt, bis das
wirklich läuft. Und natürlich ist das eine sehr große Körperlichkeit
in dieses Bilder, weil ich ja meinen Körper benutze um dieses Bild zu bauen.
F: Warum hat du denen dieses Namen Familienbilder gegeben?
A: Familienbilder ist ein Begriff, ein Genre, was ich übertragen habe, auf diese
Werkgruppe, um irgendwie etwas Griffiges zu finden. Und wir sind, die ganzen Liebschers
sind genetisch verwandt natürlich. Eine Familie.
F: Entspricht dieses "Viele sein" auch Deiner eigenen Lebenserfahrung?
A: Ich würd jetzt nicht versuchen, eine psychologische Interpretation dieses
"Viele Sein" und viele Liebschers und sich selber photographieren, weil
ich das eher distanziert sehe. Es ginge auch mit anderen Leuten, wenn's funktionieren
würde. Wie gesagt, es funktioniert mit mir selber am besten. Deswegen bin ich
das. Man könnte einen Schauspieler engagieren, mit gut aussehenden Models, dann
würde es langweilig werden. Ich find's einfach auch gut, daß ich das selber
bin und wie ich auch aussehe.
F: Stanislav Lem - Text, was fasziniert Dich an diesem Text aus den Sternentagebüchern?
A: Dieser Text ist einfach ein Findung, den hab ich irgendwann gefunden, der passt
natürlich wie die Faust aufs Auge zu meinen Arbeiten. Es ist nicht so, daß
es eine Inspiration war, sondern die Arbeiten waren vorher da, auf einmal sieht man
bei Cranach die gleichen Frauenfiguren oder in dem Lem-Text eine Verbindung zu der
Arbeit. Das sind eher Sachen, die dazu kommen. Wie dann auch dieses dreifache Selbstporträt
von Duchamp auf einmal dazu paßt, das sind solche Verbindungen, die man auf
einmal findet, weil die irgendwie zum Thema passen.
F: Inhaltsangabe
A: Die Geschichte ist von den Sternentagebüchern von Staniv. Lem. Es geht um
den Raumfahrer, der durch eine Planetenumrundung in eine Zeitschleife kommt und jedesmal...kommt
er selber aus einer anderer Zeit in diesem Raumschiff vor.....Probleme mit Essen,
wer darf den Raumanzug anziehen.... und das paßt natürlich zu meinen Arbeiten
wunderbar, weil es vom Thema dasselbe ist. Es ist keine Geschichte, die Ausgangspunkt
zu der Arbeit war, aber die gut dazu paßt.
Mich interessieren solche Verlinkungen zur Kunstgeschichte, ob das jetzt dieses Selbstporträt
von Duchamp ist, wo er dreimal auftaucht oder die Malerei von Cranach, wo die Frauenfigur
immer die gleiche ist, weil das Modell immer das gleiche war und es gar nicht so
wichtig war, eine individuelle Person darzustellen, sondern eine Frauenfigur, so
wie das vielleicht auch bei meinen Figuren ist, das geht’s nicht um den Martin Liebscher,
sondern es geht um die Liebschers, um diese Figuren, und nicht um das Künstlerindividuum.
F. "Liebschers Welt" ist wie ein kleiner Kosmos, den du uns zeigst (Kunst,
Film, Literatur, etc.) Ist diese Vernetzung auch ein Bestandteil deiner Kunst?
A: Natürlich ist die Arbeit ein Bestandteil von meinem Leben, es fließt
rein, wo ich mich bewege, was mich interessiert, es sind Dinge, die in diese Arbeit
rein fließen. Man lebt ja nicht in einer Käseglocke, sondern in einer
realen Welt, entscheidet, ob man in einer Großstadt leben möchte oder
in einem Dorf.
Ich freu mich natürlich, wenn ich Sachen finde, die zu meiner Arbeit passen
oder anders rum gibt es durchaus Zitate wieder darauf, es gibt auch Zitate zwischen
den einzelnen Arbeiten, das auf einmal eine Figur aus einem anderen Bild in diesem
Bild auftaucht, die da nichts zu suchen hat.
Zum Beispiel ist ein Liebscher aus der Mysliwska Bar taucht auf einmal in der anderen
Bar auf, bei dem Konzert von den Liebscher Brothers, im Hintergrund, den muß
man Suchen. Es ist ein Spiel mit diesen ganzen Satelliten, die um diese Arbeit drumrum
kreisen, die dann manchmal was nach unten funken. Ins Bild rein funken.
F: Was reizt dich an diesem Thema Raumschiff und All?
A: Bei Stanislav Lem ist dieses Raumschiff, diese abgeschlossene Welt, die auf einmal
völlig zusammenbricht, indem diese ganzen Welten, Vergangenheit und Zukunft
da einbrechen und gleichzeitig sind. Und es gibt natürlich riesige Probleme
dabei. Weil es keinen Platz gibt, dieses Raumschiff platzt aus allen Nähten,
die schlagen sich die Köppe ein. Obwohl sie selber diese eigene Person sind
und sich mit sich selber streiten.
F: Ist das auch ein Standort, der dich interessiert, würdest du gerne von da
oben runter gucken?
A: Ich bin lieber in der Welt drin und ich würde nicht sagen, daß ich
ein distanzierter Beobachter bin, sondern mich interessiert, die Sache anzugreifen,
da drin zu sein. Also wie diese Figuren in den Familienbilder auch in diesen Räumen
sind und natürlich auch in einer Barsituation anders agieren als in einer Börsensituation.
Mich interessiert nicht die Raumfahrt an sich , sondern die Bilder der Raumfahrt,
die Bilder von dem H-Teleskop, sind einfach Bilder bei denen man diese Wahrhaftigkeit
nicht mehr nachprüfen kann. Das sind Bilder, die tatsächlich als Bild funktionieren
und es ist eigentlich egal, ob die tatsächlich photographiert sind oder ob die
ausgedacht sind, weil die einfach als Bild wunderschön sind.
Bei dieser ganzen Ufogeschichte...
Die Frage, ob die Amerikaner wirklich auf dem Mond waren, oder ob das eine Inszenierung
ist in der Wüste ist, ist eine Frage, die mich sehr interessiert, weil natürlich
dabei rauskommt, das es eigentlich gar keine große Rolle spielt. Daß
es ein schönes Spiel ist, zu überlegen, die waren da gar nicht, Beweise
dafür zu suchen, genauso wie man das Gegenteil beweisen kann....Das sind solche
Fehler, die ich sehr interessant finde.
F: Herkömmlicherweise ist der Künstler der, der die Wahrheit sucht. Das
kann man von Dir nicht behaupten.
A: Also ne Wahrheit gibt’s nicht, sondern die Wahrheit ist das Bild, was da ist als
Ding und nicht das, was es abbildet. Von daher sind solche Aufnahmen vom Teleskop
klasse. Ob die das wirklich aufgenommen haben, oder ob das eine Hollywood Konstruktion
ist...egal.
Also, was mir wichtig ist, ist das Bild, das irgend etwas zeigt, in dem jeder Betrachter,
was anderes rein sieht, als ich gemeint hab. ....Schön, wenn man seine eigene
Arbeit nach einigen Jahren betrachtet und etwas ganz anderes darin sieht., weil man
auf einmal ein anderer Betrachter geworden ist., weil man etwas anderes sucht...........
Wie bei diesen Panoramaphotos. Die Panoramaphotos sind Bilder, die kann ich mir selber
an die Wand hängen, die finde ich nach zwei Jahren betrachten immer noch interessant,
weil die so weit weg von mir sind und dem von mir selbst gemachten, die sind von
der Kamera gemacht und von diesem Auge in der Hand. Und ich hab dann nur die schwierige
Aufgabe, die Sache auszuwählen. Ich würde mir nie ein Familiephoto an die
Wand hängen, weil ich einfach da alles selber konstruiert habe. Weil ich dann
meine Fehler entdecke dabei, wenn etwas selber konsturiert ist, kann man das immer
noch besser machen...
F. Kannst Du bitte den Entstehungsprozess eines Panoramaphotos beschreiben?
A: Ich sag einfach mal, wo das herkommt. Ich hab angefangen, mit Fotokopierern zu
arbeiten, die Fotokopierer teilweise auszuschalten während des Prozesses und
um das unfixierte Material von draufgelegten Photos dann weiter zu bearbeiten und
hab dann so Experimente gemachte von Photos auf dem Kopierer, das ist auch schon
10 Jahre her und wollte dann gerne eine Kamera haben, die genau so funktioniert.
Ne Kamera, die sozusagen eine Realität scant und hab dann verschiedenste Sachen
ausprobiert, Mittelformatkamera, bis ich zu einer Konstruktion gekommen bin, die
ich ganz interessant fand, das ist diese umgebaute Kleinbildkamera. Das ist immer
eine Frage bei solchen Sachen, wie weit geht man, wo fängt man an, wo sagt man,
ist o.k., wo ist es zu weit. Es gibt einen Motor für diese Kamera, hab ich
drei vier mal benutzt, die Sachen werden langweilig, weil dieser Film dann perfekt
durchgezogen wird. Auf der anderen Seite ist diese Mittelformatkamera so, dass die
extreme Balken macht, daß man dieses Bild, das Motiv nicht mehr erkennt. Irgendwo
zwischen diesen beiden Polen hab ich versucht, etwas zu finden, was eine Maschine
ist, die Bilder liefert, die auf der einen Seite solche Realitätsfetzen noch
drin haben und Sachen scharf sind und auf der anderen Seite eben eine Abstraktion
aus dem Aufgenommenen liefert.
Band 3
F: Welche Rolle spielt der Zufall bei diesen Städtepanoramen?
A: Die Kamera funktioniert so, dass ich einen Film an einen Schlitz vorbeiziehe mit
der Hand und dabei die Kamera bewege. Wenn diese beiden Bewegungen synchron laufen,
wird’s scharf wie bei einer Panoramkamera. Dieses mechanische Prinzip gibt’s schon
länger, da ist eben der Filmtransport und die Bewegung der Kamera mit einem
Motor synchronisiert. Und bei mir wird das mit der Hand gemacht, dann sieht man diese
Hand sozusagen auch im Bild in den Stauchungen und Verzerrungen, weil es einfach
tatsächlich nie parallel über längere Zeit läuft. Da kommt natürlich
etwas raus, was extrem zufällig ist. Das heißt, ich kann natürlich
bestimmen, wo ich aufnehme, wie schnell ich den Film bewege und wie schnell ich die
Kamera bewege. Ich hab keine Ahnung, was letztendlich hinterher dabei herauskommt.
Das ist eine sehr redundante Geschichte.
Ich mach relativ viele Aufnahmen in der Stadt, beweg mich darum, such mir irgendwelche
Plätze und letztendlich ist 98 Prozent von den Aufnahmen Schrott. Also ich bin
froh, wenn überhaupt ein Bild dabei ist, mit dem ich was anfangen kann. Der
ganze kreative Prozeß beginnt bei der Aufnahme. Bei einem normalen Photo, indem
Moment wo der Auslöser gedrückt wird, ist das Bild schon fertig, es wird
noch vergrößert und noch bearbeitet. Aber letztendlich ist der kreative
Prozeß vor dem Auslösen.
Bei mir liegt der genau auf der anderen Seite. In dem Moment, wo ich Auslöse,
fängt das erst an, ich sichte das Material erstmal, dann such ich aus diesem
ganzen Wust irgendwo was rauszufiltern, was mich interessiert. Ich weiß auch
nie genau, nach was ich suche, ich versuche darauf zu hören, dass mich ein Bild
anspringt oder mich irgendwas dabei interessiert oder irgendein Rhythmus funktioniert.
Diese Bilder werden auch nicht beschnitten, also da passen so drei vier Aufnahmen
auf einen normalen Kleinbildfilm und zwar werden die vergrößert von Anfang
bis zum Ende dieser Kamerabewegung. Was den Effekt hat, das alle Bilder verschieden
lang sind, je nachdem, wie lang diese Kamerabewegung funktioniert hat.
F: Du sagtest: Das Auge in der Hand............
A: Die Kamera nimmt die Wirklichkeit ganz anders war, als wir mit unserem menschlichen
Auge. Eine Photographie entspricht eigentlich dem menschlichen Auge, nur das eine
Dimension von der dreidimensionalen Welt zurückgenommen wurde und ein Ausschnitt
gewählt wurde.
Meine Kamera ist so eine Art Auge in der Hand. Die sieht die Welt ganz anders als
wir sie sehen. Das ist das, was mich dabei interessiert. Mich interessiert nicht
die Reduzierung von dem Raum, sondern mich interessiert der Blick auf die Realität
und in dem Fall ist es der Blick der Kamera und dann sozusagen mein Blick auf das,
was die Kamera mir liefert.
Ich bin natürlich involviert in den Entstehungsprozess, weil ich die Kamera
steuere, aber ich hab letztendlich keine Ahnung, was dabei rauskommt. Sehr viel Material,
von dem sehr wenig vergrößert wird und an der Wand hängt.
F: Ein grosser Teil dieser Kreativität ist "Geschehen Lassen"?
A: Natürlich muß man diesen Zufall zulassen, auf der anderen Seit muß
man Entscheidungen treffen und sagen, dieses Bild interessiert mich. Deswegen mach
ich auch nie mehrere Aufnahmen von einem Ort, weil ich festgestellt habe, dass das
nichts bringt. Es ist seltsamerweise so, dass Nebenschauplätze viel besser funktionieren
als die Orte, die man sich eigentlich gesucht hat und von denen man denkt, das wird
jetzt prima, das wird sicher toll. Seltsamerweise ist es oft so, dass eine Straßenkreuzung,
wo ich denke, da ist auch noch was - ist dann letztendlich das Bild, was an der
Wand hängt.
Man muß sich schon darauf einlassen, was als Material aus dieser Kamera herauskommt.
F: Welche Orte sind es, die du auswählst für die Panoramaphotos?
A: Das sind Stadtlandschaften. Also mich interessieren diese verschiedenen Strukturen
in einer Stadt. Einer der besten Orte war Tokio für diese Kamera, weil da einfach
ganz verschiedene Ebenen von Bewegung existieren, da gibt’s die Architektur, die
Straße, nochmal Highways dadurch, das ist so eine komplexe urbane Struktur,
die mich dann dabei interessiert. Und es geht natürlich auch um den Raum. Um
eine Umsetzung von dem Raum. Die Kamera ist ja eher wie eine Filmkamera, so dass
ich... Ich kann Schwenks machen durch den Raum, kann nach oben und nach unten gehen
und das alles in einem Bild. Man könnte letztendlich an diese Bilder eine Zeitachse
dranmachen, die Aufnahmen dauern so 10 bis 20 Sekunden, im Gegensatz zu einem normalen
Kamerabild, was eine 125stel Sekunde hat. Und eben kein Zeitablauf ist, sondern ein
Zeitmoment.
Bei meiner Kamera sieht man das tatsächlich auch im Bild, wenn die wieder an
die gleiche Stelle kommt und sich Leute bewegt haben, oder Autos weitergefahren sind,
dass da tatsächlich dieser Zeitablauf wieder dabei ist.
F: Das ist auch etwas, was Dich interessiert, das Spiel mit Zeit?
A: Ja, für mich hängt diese Arbeit zwischen Photographie und Film. Ich
hab immer das Gefühl, ich müsste irgendwann mal einen Film machen. Und
bleib aber letztendlich da hängen, in dieser Zwischenwelt. Und bin eigentlich
auch ganz zufrieden damit.
Diese ....... sind zwischen einem kurzen Zeitmoment und einem Zeitablauf in einem
Film. Und beschäftigen sich auch mit der Zeit dieser Aufnahme und einer Geschwindigkeit.
Nur hat dieses Panoramaformat, was zwangsläufig dabei herauskommt, diesen Vorteil,
dass man nicht wie in einem Film ein Sklave des Zeitablaufs ist, sondern man hat
diesen Zeitablauf und kann den abscannen beim Betrachten. Das kann man Lesen wie
einen Satz.
Band 4
F: Was reizt Dich an diesem Format?
A: Dieses Panoramaformat ergibt sich aus der Technik der Kamera. Und ich mag's auch
gerne, weil das ein Format ist, wo man das Bild nicht auf einmal erfassen kann, sondern
man muß eigentlich immer mit den Augen hin und herscannen, um dann letztendlich
den gesamten Ablauf, der in dem Bild drin ist, zu erfassen.
(Wdhlg.) Dieses extreme Längsformat kommt durch diese Technik, dass ich den
Film an diesem Schlitz vorbeiziehe und oftmals eine 360 Grad Drehung mache und die
Bewegung durch den Raum.
Ich mag auch dieses extreme Längsformat ganz gern, weil man als Betrachter nicht
das Bild komplett auf einmal erfassen kann, sondern das mit den Augen ablesen muß,
um dann diese Details betrachten zu können.
(Wdhlg.) Dieses extreme Längsformat hat den Effekt, dass man als Betrachter
nicht ein Bild sieht, sondern dass man mit den Augen während des Betrachtens
hin und her fahren kann. Im Bild und in der Betrachtung ist eine Simularität
zu dem wie das Bild aufgenommen wurde, d.h. man geht sozusagen an der Zeitlinie entlang
mit den Augen. Diese 20 Sekunden der Aufnahme, die hängen so zwischen Film und
Photographie........Moment, Film - zeitkontinuum.
Diese Bilder sind wie so ein Stückchen Film Auch die Art, die Kamera durch den
Raum bewegen zu können, ist fast so was wie ein Kameraschwenk durch den Raum.
Nur das letztendlich ein statisches Bild rauskommt, in dem diese Bewegung nachvollziehbar
ist.
F: Welches sind die Parallelen und die Unterschiede der beiden Werkgruppen "Familienbilder"
und "Städtepanoramen"?
A: Erstmal differerieren die zwei Werkgruppen sehr voneinander, die P-Photos basieren
auf einer ganz einfachen photo. Apparatur, das ist diese Kamera, aus der alles rausgebaut
wurde, das ist so ein Dinosauerier, Deckel drauf kommt kein Licht rein, Deckel ab,
kommt Licht rein. Und die einfachste Form der Filmbewegung ist mit der Hand und nicht
mit einem Motor. Dies ist fast von den Funktionen her wie eine Einwegkamera, die
nur einen Auslöser hat und fertig, wo nichts weiter einzustellen ist.
Die Familienbilder sehe ich auch als eine technisch einfache Geschichte. Die werden
natürlich mit Computer aufbereitet, sind eine Art Collage, die man zum gewissen
Teil auch analog machen könnte. Man könnte die Figuren ausschneiden und
zusammenkleben. Nur mit dem Computer kriegt man eine perfektere Illusion hin, eine
perfektere Lüge, wenn man es so nennen will.
Das die beiden Werkgruppen ein ähnliches Format haben ist eher Zufall, ist nicht
geplant. Ich weiß dann immer nicht, welches Format zum Schluß herauskommt..........MMK-Bild
quadratisch.....teilweise aber extremes Langformat. Das liegt an dem Material und
ergibt sich aus dem, was ich fotografiert hab.
Es hängt an dem Material, was ich photographiert hab, was ich dann versuche
zusammenzufügen. Irgendwann wird dieses Bild auch klar, irgendwann gibt’s den
Effekt, die einzelnen Teile nur so zusammenfügen zu können, um dieses Bild
zu ergeben.
F: Du sagtest gestern beim Dreh im Hafen: "Ich liebe Totale, da passt mehr rein."
A: Wobei dieses Vollste der Arbeitsplatz ist, das im Atelier gemacht wurde und das
ist nicht panoramisch.
Was mich bei den Panoramen interessiert ist eine Informationsdichte einer Stadt.
Ich benutze eigentlich schon relative Weitwinkel um die Aufnahmen zu machen, einfach
um einen größeren Blick zu haben. Und natürlich ist es auch eine
Frage der Distanz, ist ja die Optik auch, wie nah oder wie weit ist man weg von dem
Objekt.
F: Spielt auch Möglichkeit ein Rolle, einen möglichst großen Überblick
über etwas zu bekommen......(Tradition)?
A: Mich interessiert der Blick an sich, einmal dieses möglichst Weite, möglichst
Viel, was aber nur funktioniert, wenn man in dieses Weite, in dieses Alles reingehen
kann. Und dass es tatsächlich diese Details hat und man diese Atome auch sehen
kann. Das ist eigentlich auch das, wonach ich bei diesen Panoramaaufnahmen suche.
Das sind diese Details, die scharf sind, die im Verhältnis stehen mit diesen
unscharfen, fast malerischen Strukturen und die komplett abstrakt werden.
Was mich interessiert ist auch so ein Blick auf ein Ganzes, ein Bild, was wieder
eine eigene Welt ist, da muß möglichst viel Information auch rein, mehr
Information als ein normales Photo einem geben kann, über Raumstrukturen, über
Bewegungsabläufe, Zeitabläufe und ich würde da auch die Anknüpfungspunkte
sehen zwischen den zwei Werkgruppen. Das ist natürlich einmal das Formale, hauptsächlich
aber inhaltlich die Schwerpunkte auf eine Zeit, Interesse an Zeitabläufen, was
passiert mit der Zeit in diesen Photos, wie steht die im Verhältnis zu der realen
Zeit. Mich interessieren dabei die Räume, wie kann ich eine Großstadt
so sehen, wie ich sie wahrnehme. Ich nehme ja nicht die Großstadt war, wie
ein Photo. Einen Sonnenuntergang zu betrachten ist vielleicht adäquat zu einem
Photo. Wenn ich mich in einer Stadt bewege, muß ich die ganze Zeit mich bewegen,
wahrnehmen, gucken: das ist wichtig für mich, das ist nicht wichtig für
mich. Die ganze Zeit Entscheidungen treffen und gucken, dass ich nicht vom Auto überfahren
werde.
Die Frage ist dabei, wie kommt man an eine solche Situation ran, also eine bildliche
Umsetzung. Ich würde nicht sagen, dass die Panoramaphotos eine bildliche Umsetzung
davon sind, sondern die.....?.....ein ganz anderer Blick, sondern der Blick des Betrachters
auf den Blick der Kamera ist dann eine visuelle Erfahrung, die so einer Erfahrung
in der Großstadt spiegelt oder adäquat ist.
F: Was reizt Dich an dem Blickpunkt "Rheinland Pfalzvertretung"
A: Ich hab den entdeckt als ich da mal war, zufällig und immer schon vorgehabt,
da mal zu photographieren, gerade deswegen, weil das so ein Blick ist, der relativ
rough ist, da ist Baustelle, da ist dieses Ödland, das ist nicht so dieses schöne,
neugebaute Berlin, sondern ein bißchen mehr Baustelle. Ne Baustelle sieht ja
auch immer mehr aus wie eine Ruine, dieses in between dieser Stadtlandschaft. Also
der Potsdamer Platz interessiert mich zum Beispiel nicht als urbane Struktur, das
ist mir zu künstlich und zu glatt alles. Mich interessieren eher diese Nebenschauplätze.
F: Das Unfertige....
A: Mich interessiert dann eher so ein Nebenschauplatz, Sachen die nicht fertig sind,
oder Sachen, die schon abgelebt sind oder die funktionieren als Stadt. So was wie
der Potsdamer Platz hat für mich eine zu grosse Künstlichkeit. Außerdem
ist es noch schlechte Architektur dazu.
F: Man kann nicht unbedingt direkt erkennen, welche Stadt photographiert ist. Manchmal
Spuren. im Grunde ähneln die sich.
A: Erstaunlicherweise nicht. Obwohl in diesen einzelnen Städten, ob das jetzt
Tokio ist oder Los Angeles, eigentlich fast nie eine Sehenswürdigkeit zu sehen
ist, gibt’s doch eine Stadtstruktur, die da durchscheint durch die Sachen. Ganz plakativ
ist das in Los Angeles, alles ist sehr viel breiter, die Bilder sind sehr viel ruhiger,
Tokio ist eigentlich am extremsten von der Informationsdichte auf den Bildern. Das
sind einfach Sachen ,die scheinen durch die Bilder durch.
F: Es sind also nicht typische Signale, wie besondere Schriftzeichen, oder Erkennungszeichen
wie der Kölner Dom, die für Dich eine Stadt charakterisieren, sonder die
Struktur, die sie für Dich hat....
A: Man merkt auf jeden Fall verschiedene urbane Strukturen. Das setzt sich aus den
ganzen Details zusammen, dass die Taxis gelb sind oder rot, dass die Schriftzeichen
chinesisch sind oder englisch oder was .....die ganzen Informationen, die in diesen
Bildern mit abgebildet werden ergeben so eine Art Brei, der dann nach Tokio schmeckt.
F: Trotzdem gibt du Bilder einen sehr konkreten Namen
A: Ich bin kein großer Freund der Interpretation der eigenen Arbeit. Wenn ich
einen mehr poetischen Titel geben würde, statt eine Ortsbezeichnung, die einfach
neutral ist und dazu dient, dieses Bild von dem anderen zu unterscheiden. Wenn ich
einen interpretatorischen Titel geben würde, würde ich eine Richtung vorgeben.
Das will ich nicht. Der Betrachter soll eigentlich genau so eine Erfahrung machen
wie ich in diesem Suchen in den Bildern: was ist da, was passiert da, was suche ich
denn darin? Warum ist da etwas, was einen anspringt?
Man kann natürlich nur Durchnummerieren. Aber das ist auch schon wieder ein
statement. Zumindest für meine Empfindung ist das geringste statement, was man
zu den Arbeiten geben kann, zu sagen, das ist dann photographiert, an dem Ort, fertig.
F: In deinen Arbeiten gibt es sehr viele Parallelen zum Film. Formal, inhaltlich,
biographisch...........
A: Photographie ist nah am Film, das geht so weit, dass das Material einer Kleinbildkamera
das gleiche ist, wie von einer 35 mm Kamera. Gleiche Perforation, nur das Bild ist
doppelt so groß.
Photographie ist immer ein Stück Film, oder ein Standbild. Was mich bisher abgehalten
hat, einen Film zu machen ist diese lineare Zeitstruktur. Dass man als Zuschauer
gezwungen ist, diese Zeit genau abgegrenzt mit diesem Film zu verbringen. Man hat
da keine Möglichkeit irgend etwas zu verlangsamen oder schneller abzuwickeln
- gefangen in der Filmzeit (...) Deshalb interessieren mich Bilder mehr (...)
F: Erzählst Du Geschichten in Deinen Familienbildern?
A: Eigentlich würde ich nicht sagen, dass ich Geschichten erzähle. Die
Geschichten, die dazu kommen, sind die Geschichte des Betrachters, der diese Situation
vielleicht in Verbindung bringt zu dem, was einem selbst passiert ist. Es gibt natürlich
Interaktionen zwischen den einzelnen Figuren auf meinen Bildern. Aber ich will keine
Geschichte damit erzählen.
F: Welche Filme interessieren Dich?
A: Wenn mich Filme interessieren, dann sind es Spielfilme und keine Dokumentarfilme,
war früher schon so, mich hat Donald Duck mehr interessiert als Bad Man, weil
der weiter von der Realität weg ist.
Für mich ist es immer eine Frage der Distanz zu der Welt und ein Bild hat immer
eine gewisse Distanz, bis hin zu einem abstrakten Bild, das am weitesten weg ist,
aber auch wieder am nächsten dran, weil dieses Bild eindeutig seine eigene Realität
hat. Und beide Sachen passieren eigentlich in diesen Panoramabildern. Es gibt diese
Realitätsfetzen, die eindeutig zu indentifizieren sind und es gibt eben komplett
abstrakte Strecken, die ohne diese Realitätsstücke nicht mehr wieder zurücklesbar
wären. Und da denk ich steht das dazwischen.
Was ich gerne mag bei Kinofilmen sind Klischees, ich mag gerne einen ordentlichen
Western oder einen gut gemachten Roadmovie, weil mich dieses Bild, diese komplette
eigene Welt, diese Filmwelt interessiert dabei.
F: Wenn du die Begriffe hörst, Wahrheit, Lüge, Fiktion; Schein oder Inszenierung,
wo würdest
Du deine Arbeit am ehesten einordnen.
A: Ich glaube nicht an Wahrheit. Ich glaube an eine subjektive Betrachtung. Und von
daher stellt sich die Frage nach einer Wahrhaftigkeit gar nicht für mich. Wahrhaftig
ist das Bild, was die Kamera erzeugt als Bild und nicht als Abbild. Ich spiele nicht
nur mit diesen Bilder, sondern auch den Bildvorstellungen von Kinofilmen oder von
Orten wie die Deutsche Börse, die eine Vorstellung vom Kapitalismus ist.
F: Gibt es Filmorte, die Dich besonders reizen?
A: Für die Ufo-Bilder habe ich deckungsgleich Orte aufgesucht, die in Filmen
vorkommen. Los Angeles ist ja sowieso ein Ort, der so abgefilmt ist, da kommt man
hin zum erstenmal in seinem Leben und kennt da schon ganze Strassenviertel- und züge,
weil man die tausendmal im Film gesehen hat. Seltsamer Effekt von Erinnerung, die
nicht die eigene ist, von Orten, an denen man noch nicht gewesen ist. Solche Diskrepanzen
interessieren mich da auch.
So wie diese Familienbilder zu erst einmal vorgeben, ein Photo zu sein von dem Raum
und doch so weit davon entfernt sind von der Raumabbildung und von der Zentralperspektive.
Das ist auch ein der wichtigen Sachen, die Auflösung einer klassischen Zentralperspektive.
Auf einmal hat man in diesen Bilder eine Perspektive, die es so gar nicht in unserer
menschlichen Wahrnehmung gibt, sondern nur in der Wahrnehmung der Kamera oder in
der Wahrnehmung dieses Bildes, wie ein mittelalterliches Bild von einer Ideallandschaft,
wo die Berge zu der Stadt gesampelt sind.
F: Welche Rolle spielt Dein amerikanisches Auto?
A: Mich interessieren immer so Sachen, die mit Bewegung zu tun haben, von daher bin
ich sehr interessiert in der Bewegung mit einem Auto oder in Geschwindigkeit. Auf
der anderen Seite ist ein Auto immer ein Bild für einen Status oder für
einen Lebenswandel und eine der einfachsten Möglichkeiten, etwas vorzugeben,
was man eigentlich gar nicht ist. Bei so einer Schüssel wie die Galaxie 500
da hängt Jahrzehnte von Filmgeschichte mit dran, da hängt eine ganze Welt
von Vorstellungen und Projektionen dran. Wahrscheinlich habe ich deswegen dieses
Auto mitgenommen. Es ist nicht so, dass ich dieses Auto gesucht hätte, sondern
ich hab in Los Angeles ein Stipendium gehabt........................
Das Problem ist dabei, dass man mit solchen Dingen, Maschinen auf einmal eine Geschichte
entwickelt. Ich hab mit diesem Auto so viel erlebt (.....) verschifft nach Bremerhaven
(....) Es ist auch gut, einmal die Idealvorstellung einer Reise durch den amerikanischen
Kontinent gemacht zu haben, diese Vorstellung mit der Realität überein
zu bringen und zu gucken, was sich da reibt. Was denn tatsächlich funktioniert.
F. Du fotografierst auch aus diesem Auto heraus...
A: Ich hab dieses Auto auch gekauft, um damit zu arbeiten. In Los Angeles würd
ich nie auf die Idee kommen, mich an eine Straßenecke zu stellen und zu fotografieren,
sondern da passiert diese Sache, dass sich der Film bewegt, die Kamera, dieses Auto.
Das ist alles Bewegung durch die Stadt.
F: Inspirationsquellen?
A: Prägend war das Studium bei B. und K. Wo ich mich verbunden fühle bei
B. ist es die Faszination zur Technik und für Städte wie L.A., für
diese Strukturen. Und bei K. ist eher dieses Umdrehen und Umdrehen, bis es etwas
anderes wird. Dieses Durchmahlen von Sachen. Auch das Ironische.
K. war dann wichtig für diesen Umkehreffekt, dass man Sachen so lange umdreht
bis etwas anderes dabei rauskommt und das alles so zerbrochen ist, dass dann wieder
eine neue Geschichte rauskommt.
F: Kannst Du das an einem Beispiel in Deiner eigener Arbeit beschreiben?
A: Vielleicht so das benutzen der eigenen Person, mit dem ganzen Selbstporträtcharakter,
mit diesem ganzen Rattenschwanz von Historie, der da dran hängt, das immer wieder
zu benutzen, immer wieder durch den Fleischwolf zu drehen bis es eigentlich keine
Rolle mehr spielt, dass ich es bin auf dem Bild, das könnte jeder sein. Es ist
für mich nicht mehr wichtig, dass ich als Person auftauche, ich will mich nicht
selber darstellen. Es ist so, dass diese ganze Historie mit drin ist und auch zitiert
wird und durch dieses Zitieren kann man es wieder brechen indem man es nochmal zitiert
dieses Zitat.
F: Gibt es in der zeitgen. Kunst Künstler zu denen du eine Beziehung siehst.
A: Es gibt Künstler, die ich sehr schätze. Dieses Netzwerk geht mir auf
die Nerven.
Mich interessieren die Bilder, die ich sehe, die mich anspringen.
F: In wie weit hat Dich Deine Tätigkeit als Filmvorführer beeinflusst
oder geprägt?
A: Natürlich verändert es den Blick extrem, in dem Moment wo man als Filmvorführer
die Seite wechselt und auf der Materialseite stehe. Hat mich am Anfang kirre gemacht,
weil man anfängt jeden Fussel zu sehen, man sieht das Material extrem mit, daran
hab ich mich gewöhnt(...) immer noch mit sehe........
Auf einmal ist die Illusionsblase von Film geplatzt - plötzlich ein anderes
Sehen.
Mich interessiert immer Technik, Maschinen, Abläufe.........auch so diese Technik
hinter der Projektion. Natürlich sieht man die den Film komplett, setzt den
hinterher für sich zusammen, das ganze Sehen verändert. sich
F. Prägung durch Schlagzeugspielen?
A: Ammann meinte, man sehe den Rhythmus und Synchronität von verschiedenen Bewegungen
in den Bildern.
F: Zukunft, wie geht es weiter? Orte werden immer größer, es tauchen immer
mehr Liebschers auf, wo führt das hin?
A: Wo das hinführt würde ich auch gerne wissen.
Bei den Familienbildern, das allererste Bild war vor fast 10 Jahren, da waren wir
zu viert am Tisch. Die Sache hat sich so langsam aufgebaut. Im Moment hab ich den
Eindruck, dass es an eine Grenze stößt, wo diese Bilder nicht mehr voller
werden können. Ich hab in letzter Zeit den Gedanken, dass so ein paar Personen
wieder raus müssen. Keine Ahnung wo das hingeht.
Die Städtepanoramen sind im Moment etwas in den Hintergrund getreten. Diese
zwei Arbeitsgruppen laufen parallel seit Jahren. Familienbilder wurden in den letzten
zwei drei Jahren wieder interessant, weil ich dann wieder etwas Neues entdeckt habe.
Nach dieser ganzen Arbeit am Computer habe ich jetzt wieder Lust an so einer anderen
Spontanität der Bilder.
Kati:
F: Warum hast du diese Wohnung gesucht? Was hat das mit den Panorambildern zu tun?
A: Ich hab diese Wohnung gesehen..............hab diesen Blick gesehen und wollte
die unbedingt haben. Ich arbeite hier auch, für mich ist wichtig, dass ich mal
raus sehen kann, dass ich eine Weite hab, das sich was verändert und der normale
Berliner Blick ist Hinterhof Blick(....) Von daher hatte ich alles dran gesetzt,
diesen Blick anzumieten
Ich mag das sehr gerne, aus dem Fenster zu gucken, das hat so eine Idee von Großstadt,
ich finde Berlin nicht besonders großstädtisch. Ist so eine Lage von Häusern
und hier bricht es mal ein bißchen auf (....)
Wir planen da hinten so einen Ufo-Landeplatz. |
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