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Geklonte Identität
Frankfurter Rundschau 10.06.2010
Liebscher jedoch, ein gemütlicher Mann in mittleren Jahren, lächelt darüber: "Es war die einfachste Lösung." Wie bitte? Mit drei Figuren auf einer Einladungskarte fing es an, damals, 1993, während des Studiums an der Frankfurter Städelschule.
Dutzende solcher Montagen sind inzwischen entstanden, auf allen agiert allein der Künstler. Kriegt man da nicht doch irgendwann eine Macke? "Ich bin schon Sklave dieser Geister geworden, die ich mal gerufen habe", sagt der Künstler, wirkt dabei sehr entspannt. Es sei ja alles "irgendwie auch lustig" - so einen "Typ mit Bauchansatz und Halbglatze" in dieser Massierung zu sehen. Kataloge seiner Arbeiten: "A Man With Opportunities", Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2007; "Einer für alle", Hatje/Cantz 2009, limitierte Auflage, Ostfildern 2009 (Deutscher Fotobuchpreis). Neue Arbeiten zeigt die Galerie Voges, Frankfurt, im September 2010. Website des Künstlers: www.m-liebscher.de In der Suntory Hall zu Tokio und in der Berliner Philharmonie tobte sich Liebscher bis in die letzten Winkel aus (unser Bild zeigt einen Ausschnitt) und verschmolz das Ganze am Computer zu einem einzigen, phantastischen Architekturgebilde. Liebscher spielt alle Instrumente, dirigiert sich selbst, startet eine La-Ola-Welle auf den Rängen, pöbelt und langweilt sich, kommt zu spät, klettert im Saal herum wie auf einem Abenteuerspielplatz. Auf anderen Bildern würgen sich die Liebschers, schießen auf einander, raufen und vögeln und sterben dahin. Und damit fängt die Arbeit erst richtig an. Die Figuren muss Liebscher mittels Fotosoftware einzeln aus den Aufnahmen ausschneiden, sortieren und dann zu einem Gruppenbild arrangieren. Eine Frickelarbeit, bei der ihm inzwischen zwei Studenten helfen. Liebscher, der heute zwischen Frankfurt und Berlin pendelt, lehrt als Professor an der Offenbacher Hochschule für Gestaltung HfG und rekrutiert Hilfskräfte für die Fleißarbeit. Denn seine Projekte, man ahnt es, werden ja eher noch aufwendiger, die Panoramen größer, die Performances schweißtreibender. Eben ist Liebscher von einer Italienreise zurückgekehrt. Zwei Jahre lang hat er auf die Genehmigung hingearbeitet, die Mailänder Scala als Schauplatz zu bekommen, auch den Markusplatz in Venedig hat er im Alleingang bespielt. Und auch die Formate werden nicht kleiner - es liegt wohl in der Natur der Sache. Das Philharmonie-Bild misst 1,20 auf 4,55 Meter. 37 Meter lang wand sich das "längste Gruppenbild der Welt mit einer Person" (Guinnessbuch-Eintrag) bei seiner Ausstellung 1995 durch ein Treppenhaus am Römerberg. "Eigentlich", überlegt Liebscher, "könnte man sogar 150 Meter Rolle durchbelichten." Allein sein Trägermaterial, Aluminium und Plexiglas, setzt ihm technische Grenzen. Aber er arbeitet dran. Darauf kann man setzen. Auch das Fotobuch "Einer für alle", das unlängst mit dem Deutschen Fotobuchpreis ausgezeichnet wurde, ist mit über einem Meter Spannweite (aufgeschlagen) das größte seiner Art. Liebscher nennt es amüsiert "das Büchlein". Man ahnt: Der Mann hat noch Größeres vor. |
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